gemeinsam mit meinem bruder einmal über die alpen

written by chris.mannel 10. Januar 2016

tja, rückblickend war das wohl eine meiner bewegendsten wochen, aber der reihe nach. nachdem ich sowohl die transalp mit dem rennrad als auch mit dem mountainbike schon gefahren bin sollte es in 2014 nochmal die alpenüberquerung mit dem rennrad werden. und das noch dazu mit meinem bruder stefan. klingt auf den ersten moment nicht spektakulär, ist es auch nicht. brisant wird es aber dann, wenn ich mich an die vielen diskussionen, streitgespräche und bösen worte zwischen anderen teams auf meinen bisherigen transalps erinnere. man muss sich schon gut verstehen, um diesbezüglich unbeschadet über die woche zu kommen.

die streckenführung ging in 2014 von mittenwald – sölden – brixen – st.vigil – fiera di primiero – crespano del grappa – rovereto bis nach arco. das sind dann im ganzen 20.000hm im anstieg und 822km. ein paar der klingendsten anstiege waren unter anderem das kühtai – timmelsjoch – jaufenpass – grödner joch – furkelpass – passo giau – forcella aurine – passo cereda – passo brocon – monte grappa – altopiano di asiago – passo coe – monte baldo und der monte velo. alles in allem eine wunderbare route.

wir haben alles bestens organisiert, waren mit top material ausgestattet und hatten schöne unterkünfte in nähe von start- und zielbereich reserviert. wir gingen für CANCER REHAB TEAM ST.VEIT an den start, ein charity team von lisa pleyer. lisa ging mit jörg ludewig im mixed an den start und konnte – soviel vorab – die transalp 2014 souverän für sich entscheiden. die beiden haben jede (!) etappe gewonnen und lisa hat sich damit vorerst mal mehr als standesgemäß aus dem radrennsport verabschiedet.

am ersten tag gings dann von mittenwald gleich gehörig zu sache und das tempo gleichmal ziemlich hoch. stefan hatte als triathlet wenig erfahrung mit radrennen in so großen gruppen und gerade am ersten tag wird wenig zimperlich gefahren. und zum überdruss hats auf der ganzen etappe geregnet und die temperatur war im enstelligen bereich. am nächsten tag war dann morgens sölden mit einer weissen schneeschicht überzogen und wir mittendrin am weg aufs timmelsjoch. na bravo! aber auf der italienischen seite hatte der wettergott dann ein einsehen und es wurde warm. so warm, dass wir sogar auf den jaufen in kurz/kurz fahren konnten. und mein bruder und ich spielten uns langsam aber sicher als gutes team ein. nein, als hervorragendes team!

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mit meinem bruder im sellastock

von tag zu tag lief es besser und wir sind wie ein uhrwerk einen paß nach dem anderen abgefahren. die routine im tagesablauf stellte sich ein. jeder wusste, was wann zu tun ist und wie wir uns dem anderen gegenüber zu verhalten haben. zu der zweifelslos sportlichen ambition gesellte sich dann aber auch bald der erlebnis-aspekt. wer hat schon die möglichkeit, mit seinem bruder im team in einem bestens organisierten rennen über die wunderschönsten strecken die alpen zu überqueren?

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und so war es dann auch nur die logische konsequenz, dass wir beide relativ defektfrei und vor allem ohne sturz auch gemeinsam in arco angekommen sind. und in den ganzen gemeinsamen stunden am rad, danach und davor fiel kein einziges böses wort. respekt gegenüber dem anderen und seiner leistung war das zauberwort. und deswegen war die ganze woche im generellen und die ankunft in arco im speziellen eine meiner bewegendsten sportmomente in meinem leben. und bei meinem bruder möchte ich für die unvergessliche woche bedanken, war cool und wie es bei top gun so schön heisst: “…du kannst jederzeit wieder mein flügelmann sein…”.

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